ELSEWHERE – Die Drehphase

Nachdem nun das Drehbuch fertig, die Darsteller eingekleidet, die Locations ausgesucht und die Musik soweit ist, dass man damit arbeiten kann, geht es in die stressigste aber zugleich aufregendste Phase der ganzen Produktion: der Film wird gedreht. Am Set sind, selbst bei einer kleineren Produktion, irre viele Leute und jeder hat seine eigenen Aufgabenbereiche. Gleichzeitig können bestimmte Arbeiten nur erledigt werden, wenn alle notwendigen Vorarbeiten erledigt sind. So ergibt sich immer ein Spiel aus „Warten“ und „Vollgas geben“.

Darsteller die gerade nicht dran sind warten auf Ihren Einsatz, das Kamerateam wartet darauf, dass Darsteller fertig geschminkt sind, oder die Darsteller warten darauf das die Daten von der Kamera gesichert werden. Manchmal warten auch alle weil die Regie mal länger braucht um eine Entscheidung zu treffen. Trotz der Warterei passiert in dieser Phase ein Haufen tolles Zeug.

Gerda schminkt Moritz für die Dorfszenen
Foto: Dusana Baltic

Wir haben dieses Mal, aus Zeitmangel, die meisten Sachen vor Ort improvisiert und aufgenommen ohne vorher viel zu proben. In der nächsten Produktion machen wir das anders. Aber durch diesen Prozess sieht man vor Ort zum ersten Mal wie sich die Darsteller Rollen vorstellen und oft passieren in den Improvisationen sehr krasse Dinge, die man dann unbedingt festhalten muss. Es gibt Szenen in Elsewhere die in einem Take durchgefilmt und unverändert in den Film gekommen sind.

Im Groben läuft bei uns ein Drehtag folgendermaßen ab:

  1. Ankommen auf der Location von Produktionsleitung, Produktionsassistenen, Licht und Kamerateam
  2. Produktionsleitung und PAs (Produktionsassistenten) räumen das Zeug aus den Auto aufs Set
  3. Kamera, Licht und Regie besprechen die Szenen durch und was dafür gebraucht wird, zeitgleich bauen die PA das Buffet auf oder räumen das letzte Zeug aus
  4. Ankunft Darsteller und sofortiger Start in die Maske, zeitgleich Aufbau von Licht und Requisiten für die Szene
  5. Durchsprechen der Szene mit den Darstellern
  6. Drehen der Szene. Während dem Dreh direkt schaut die Regie auf die Gesamtperformance, der Director of Photography (DP oder Cinematograph) auf die Komposition des Bildes und der Kameramann bedient die Kamera. Der Job der Darsteller ist selbsterklärend. Das Licht muss ausreichend für die Aufnahme sein, darf aber nicht unnatürlich wirken. Dafür hatte in unserem Fall der Lichtler, sein eigenes Photographieequipment plus zusätzliches Licht von uns, dass wir speziell für den Dreh angeschafft hatten, am Start. Gemeinsam mit den PAs wurde das Alles aufgestellt und teilweise während des Drehens manuell gesichert.
  7. Feedbacken des Takes und potentielle Wiederholungen von den Punkten 5 – 7 bis Alles im Kasten ist
  8. Pause mit Jause (oder Mittagessen)
  9. Wiederholung ab Punkt 3 bis der Drehtag beendet ist
„Das schaut aber nicht so gut aus…“. Mike und FraGue diskutieren Verbesserungsvorschläge.
Foto: Dusana Baltic

Für Elsewhere hatte wir drei verschiedene Drehorte zur Verfügung. Jeder mit seinen eigenen Schwierigkeiten.

Dekoration im Dorf.
Foto: Dusana Baltic

In der Residenz Siller haben wir die Szenen mit den Dorfbewohnern gedreht. Dort konnten wir das ganze Team vor Ort unterbringen und niemand mussten unnötig weit herumfahren. Die Challenge hier war, die Behausung der Dorfbewohner glaubhaft auszustatten. Die abbruchreife Hütte war voller Holzmüll und eigentlich unbewohnbar. Mike, Gerda, Maggy und ich waren bereits am Vortag dort und haben die Hütte ausgeräumt und so gut als möglich dekoriert.

Die Bibliothek mit Nebel.
Foto: Dusana Baltic

Unsere zweite Location war ein verlassenes Krankenhaus in Berchtesgaden, welches für Lost Places Touristen ein sehr prominenter Platz ist. Wir haben uns für den Dreh eine Genehmigung beim Eigentümer besorgt, da man mit 20 Leuten schlecht mal schnell rein und raus kann. Bei der Klinik gab es weder fließendes Wasser, noch Strom. Zusätzlich lagen überall Glasscherben und Müll herum. Wir haben für dort ein Containerklo und einen Generator besorgt. Zusätzlich sind unsere PAs quasi den ganzen Tag mit dem Besen unterwegs gewesen um die Drehorte sauber zu kriegen und die Verletzungsgefahr zu minimieren. Besonders viel Aufbau mit Requisiten war hier nicht nötig, da die Location an sich schon sehr viel hergegeben hat. Zusätzlich war der Untergrund praktisch immer eben und die Lichter sind super von selbst gestanden, so dass es zumindest hier keine Probleme gab.

Dreh am Bach vor dem Hexenloch
Foto: Frank Wimmer

Anders als bei der dritten Location: Beim Hexenloch im Aignerpark. Wir mussten in der Höhle die ganze „Wohnstatt“ der Hexe einrichten. Was sich als schwierig herausgestellt hat da, der Boden so glitschig war, dass man nicht einfach mit dem Zeug hoch laufen konnte. Ausserdem war es an den meisten Stellen nicht eben genug, dass man die Lichter ohne Sicherung stehen lassen konnte. Daher musste je ein PA da stehen und das Zeug zur Sicherheit halten.

Trotz zahlreicher unerwarteter Probleme, haben sich alle krass ins Zeug gelegt und wir haben die Drehtage gut überstanden und tolle Bilder gezaubert.

FraGue Verfasst von:

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