Meine Zusammenarbeit mit DJ Good Lee

Diesmal möchte ich von meiner Zusammenarbeit mit DJ Good Lee erzählen.
Er hat mich das erste Mal im Dezember gefragt, ob ich Lust hätte zu seinen Songs einige Flöten Solos einzuspielen. Natürlich habe ich ja gesagt. Ich habe schon vor Jahren  einmal mit einem DJ im Republic einen Live Auftritt gehabt, und es war ziemlich cool. Es ist allerdings etwas anderes, wenn man die Sachen einspielt und es danach wieder anhören kann. Good Lee hat mir ein Lied geschickt und wir waren uns einig, dass wir beide sehen, was ich dazu mache, und ob es uns dann gefällt. Nachdem das Ergebnis uns beiden zugesagt hat, haben wir uns entschieden die Zusammenarbeit fortzuführen.

Nun, wie sieht eigentlich so eine Kooperation aus…?
Good Lee hat mir zu jedem seiner Songs eine kurze Beschreibung gegeben, wo er über eine persönliche Erfahrung, Gefühle, oder die Grundidee erzählt. Zu manchen Songs gibt es eine genauere Angabe, zum Beispiel: von Minute 02:23-03:30 ein Solo einzuspielen. Bei anderen habe ich komplett freie Hand bekommen. Wenn man ein Song anhört, entwickelt man schnell ein Grundgefühl, das man oft gar nicht beschreiben kann. Es steht nur einfach im Raum und präsentiert sich eindeutig. Dabei kann es passieren, dass dieses Gefühl nichts mit dem Gefühl vom DJ gemeinsam hat, aber das heißt nichts schlimmes. Im Gegenteil. Mit einer neuen Idee kann man den Song ergänzen, ihm eine neue Farbe einhauchen, oder Kontraste setzten. Es ist auf jeden Fall ein sehr spannender Prozess, indem ein neues Baby auf die Welt kommt, das die Eigenschaften beide Künstler in sich trägt.

Es schadet nicht die richtige Tonart zu erwischen und sich ein paar Notizen zu machen…

Erst lässt man das Lied ein paar mal laufen, und hört dabei genau zu. Schon jetzt können einzelne Melodie Floskeln im Kopf herum schwirren, die bei bestimmten Phrasen immer ertönen. Diese sind die eindeutigsten. Danach versucht man zu der Musik zu improvisieren. Das ist nichts weiter als ein Reagieren, das Stellen von Fragen, der Versuch offene Fragen zu beantworten, und das Entfalten von neuen Ideen. Jetzt werden auch die schon im Kopf vorhandenen Floskeln eingebaut. Manchmal hat man alles in 5 Minuten fertig, manchmal hat man nur bestimmte Takte, und manchmal ist man irgendwie völlig ratlos. So ist es mir auch mit dem einen Song von Good Lee passiert, den ich selber von seiner Liste rausgesucht habe. Hier hatte ich völlig freie Hand und dann denkt man, dass wäre das Einfachste auf der Welt. Von wegen! Genau die enorme Freiheit kann einem plötzlich total blockieren. Erzwingen geht nicht. Manche Lieder haben einfach eine längere Wachstumszeit als andere und brauchen mehr Raum.

Auf dem Zigarettenpapier sieht man, dass die Flöte ordentlich geschwitzt hat. Beim viel Üben entsteht im Instrument Kondenswasser, die einzelne Klappen wie ein Filter blockieren kann.

Wenn die komplette Idee entstanden ist kann man es im Kopf behalten, oder aber auch nieder schreiben. Ich mag letzteres mehr, weil ich mich dabei mehr einarbeite, und das Entstandene tatsächlich vor mir sehen kann. Zusammenhänge werden noch offensichtlicher, Fehler noch deutlicher. Wenn man aufnahmebereit ist, sollte man sich fragen, ob man auch fit genug ist. Denn gut trainiert ist das A und O, dabei kommt niemand rum. Nachdem ich 10 Tage mit schlimmer Erkältung im Bett gelegen bin, habe ich mich am 3.Tagan eine Probe Aufnahme heran gewagt und war selber schockiert. Es war klar, dass ich eine gute Woche sehr konsequent und hart üben muss, bevor ich den nächsten Versuch starten kann. Denn bei einer Aufnahme hört man alles noch viel mehr, als bei einer Live Performance. Zu lautes Einatmen, zu laut klappernde Klappen, schlecht intonierte Tonenden, zu spät eingesetzte Töne, und die Liste könnte ich noch lange fortsetzten. Diese Zeit ist das schlimmste, weil man hier außer Basics nichts macht. Es werden keine Melodien gespielt nur eine trockene Übung nach dem anderen mit viel Konzentration und ganz viel Wiederholungen. Das einzige was tröstet ist, dass man weiß wozu man übt, und man sich schon im Voraus auf die gut verdiente Belohnung freuen kann!

Quälerische, aber tolle Übungen für Flöte und mein bester Kumpel, das kleine japanische Metronom, das mich seit 1994 begleitet.

Auch wenn man sich mit dem Ergebnis wohl fühlt und einem der Song am Ende gefällt, bleibt trotzdem immer die nervenkratzende Frage: Wird es auch dem DJ gefallen? Habe ich seinen Geschmack getroffen, seine Idee weitergeführt, bereichert und vervollständigt, oder ist es diesmal doch in die Hose gegangen…? Obwohl all diese Gedanken während des Schaffungsprozesses nie auftauchen, jetzt am Ende sitzen sie einem im Gesicht. Und das jedes mal.

Gerda Verfasst von:

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