Pied Piper – Behind the Scenes II

Nachdem Gerda letzte Woche über ihre Perspektive und ihren Teil der Arbeiten an unserem Film geschrieben hat, möchte ich Euch heute kurz meine Erfahrungen aus diesem Projekt erzählen. Dabei geht es um die Idee, organisatorischen Kram, Proben, Dreharbeiten und die Nachbearbeitung.

Lasst uns am Anfang beginnen: Die Idee eine Neuinszenierung des „Rattenfänger von Hameln“ zu machen ist nur ein bisschen jünger als die Beziehung zu meiner Frau. Schon sehr bald nachdem wir uns kennen gelernt hatten geisterte in meinem Kopf eine Vision herum, in der sie als Flötistin einen Haufen wilder B-Boys durch die Straßen einer zerstörten postapokalyptischen Welt führt. So ist es zwar im Endeffekt nicht gekommen aber die Geburtsstunde der Grundidee liegt definitiv in der Zeit als wir unser erstes Theaterstück Barcoded umgesetzt haben. Nachdem wir aber keinen konkreteren Plan hatten und die Theaterumsetzung, mit Bühnenbild und Kostümen, immer weit außerhalb der Möglichkeiten unseres Geldbeutels lag haben wir das Projekt jahrelang mit uns herum getragen. Bis 2014 die Idee aufkam, man könnte sich daran als Film versuchen. Also kurzerhand für 2015 eingereicht und gemacht.

Zu der Zeit haben Gerda und ich uns ein bisschen mit der Thematik Steampunk beschäftigt und mit der Vorstellung geliebäugelt, den Film auch in diesem Style zu machen. Weil zu viel Aufwand (sowohl zeitlich als auch finanziell) haben wir aus dem viktorianischen Futurismus einfach die futuristische Komponente heraus genommen und sind bei der Mode der Viktorianismus hängen geblieben. Wir haben also aus einfachen Mitteln, die Optik rekonstruiert, was ich finde auf der Leinwand auch ganz gut funktioniert hat.

Die Stadtbewohner in der Probe im Michelheim. Foto: Gerda
Die Stadtbewohner in der Probe im Michelheim. Foto: Gerda

Die Probe- und Entwicklunsphase mit den Darstellern dauerte 5 Tage. Im Nachhinein betrachtet ist diese Zeit viel zu kurz und wir hätten mit mehr Zeit auch wesentlich mehr aus dem Thema raus holen können. Wir haben in dieser Produktion einen ziemlichen Oldschool Ansatz verfolgt, der in der heutigen Zeit des Filmemachens kaum mehr zum Einsatz kommt. Wir haben geprobt wie fürs Theater und uns darauf verlassen, dass wir das Ganze in der Postproduktion zusammen bauen können. Glücklicherweise, hat es diesmal auch funktioniert. Für unser kommendes Filmprojekt, werden wir aber mehr Arbeit in die Entwicklung des Drehbuches und Skriptes investieren. Nicht umsonst, wird das heutzutage so gemacht 🙂

Unsere Drehtage waren allesamt abenteuerlich und jeder mit eigenen Schwierigkeiten behaftet. Am ersten Drehtag waren die Szenen im Kanal beim Überfuhrsteg und im Wald an der Reihe. Schwierigkeit dabei: potentiell schwierige Lichtverhältnisse. Unser Ass im Ärmel war Lichtmeister Frank, der praktischerweise mobiles Lichtequipment mit Akku am Start hat. Problem gelöst. Danke Frank.

lichtmeister
So löst man Probleme mit dem Licht. Foto: Dusana Baltic

Am Samstag haben wir in der Altstadt gedreht. Problem hierbei: Ab ca. 09:30 Uhr ist soviel los, dass man kein Bild mehr ohne Touristen zustande bringt. Also um 06:30 Uhr, bei Dämmerung, anrücken, damit man sobald die Sonne ganz aufgegangen ist anfangen kann zu shooten. Kurz nach Drehbeginn, tauchte am Rande der Szenerie der orange Stier auf. Ein Reinigungsfahrzeug vom Magistrat, Wasser schnaubend und entschlossen unseren Drehplatz zu säubern, scharrte mit den Hufen. Der Fahrer war jedoch ausgesprochen gut gelaunt und freundlich. Er fragte ob es in Ordnung sei, wenn wir kurz unterbrechen, damit er vorbei fahren kann. Er wollte dann den Bereich am Ende seiner Tour machen. Vielen Dank an dieser Stelle für die Unterstützung. Später hat es dann auch noch zu regnen begonnen. Dadurch mussten wir den Dreh unterbrechen. Es fehlten nur noch 2 Aufnahmen. Diese konnten wir in einer kurzen Regenpause erledigen.

Kameraeinstellungen für Nahaufnahme. Foto: Dusana Baltic
Kameraeinstellungen für Nahaufnahme. Foto: Dusana Baltic

Sonntag, selbe Uhrzeit wie Samstag, selber Grund. Dreh auf dem Mozartsteg. Gefühlte 0 Grad. Ich hatte eine dicke Jacke an aber die meisten der Darsteller waren relativ luftig bekleidet. Schwierigkeiten heute: selbige wie gestern wegen Zeitdruck und stark eingeschränkter Platz bedingt durch die Location. Weniger Freiheit bei den Kameraeinstellungen weil man nur vor oder hinter den Leuten stehen kann und nicht daneben. Hier hat Mike mit kreativer Platzierung der Kamera und zig Aufnahmen rausgeholt was möglich war. Vor allem aufgrund des schwankenden Untergrundes eine saubere Leistung.

Grundsätzlich kann man über unseren Mike sagen, dass er den gesamten Dreh über die Ruhe in Person war und seinen Job ausgezeichnet gemacht hat.

Mike beim Einrichten für die Szene im Wald. Foto: Dusana Baltic
Mike beim Einrichten für die Szene im Wald. Foto: Dusana Baltic

Die Postproduktion war nicht wahnsinnig kompliziert aber zeitaufwendig. Als wir uns zum ersten Mal getroffen haben, hatte Mike schon einen ausgezeichneten Rohschnitt, der nur noch um einige Szenen ergänzt wurde, die ich unbedingt drin haben wollte. Unsere größte Aufgabe war nun den ganzen Film so zu schneiden das er gut mit der Musik zusammenpasst. Und das lief so:

Video oder Musik ändern, zum jeweils anderen laufen und die Änderungen dort anpassen. Wiederholen. Dieses Spiel haben wir über ein paar Wochen gespielt. Manchmal konnten wir dabei nebeneinander sitzen, dann ging es schnell. Manchmal saßen wir in verschiedenen Bundesländern und haben die Sachen digital hin und her geschickt. Zur Premiere in Salzburg hatte unser Film dann knappe 12 Minuten und sah eigentlich schon ganz gut aus. Aus den Publikumsreaktion und den Anforderungen manchen Filmfestivals heraus haben wir entschieden, den Flow vom Film noch etwas zu optimieren. Die offizielle Version ist jetzt 9 Minuten und 57 Sekunden lang.

Szene im Kanal beim Überfuhrsteg. Foto: Dusana Baltic
Szene im Kanal beim Überfuhrsteg. Foto: Dusana Baltic

Der Film wird 2016 zu zahlreichen Festivals geschickt und wir sind gespannt auf die Rückmeldungen und Kritiken. Nach der Festival Runde kommt der Film auf unserer Homepage online. Gegen Ende des Jahres werden wir Ihn auch noch einmal öffentlich zeigen, gemeinsam mit der Premiere unseres diesjährigen Projektes.

Bleibt mir nur noch mich bei allen Beteiligten zu bedanken. Ihr seid ein klasse Team und ich hoffe wir machen noch einige fette Projekte gemeinsam.

Peace out

Endlich geschafft. Nach getaner Arbeit aufm Mozartsteg. Foto: Dusana Baltic
Endlich geschafft. Nach getaner Arbeit aufm Mozartsteg. Foto: Dusana Baltic
FraGue Verfasst von:

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