Pied Piper – Behind the Scenes

Heute möchte ich über einige Themen aus dem Entstehungsprozess von unserem ersten Tanzfilm „Pied Piper Reloaded“ schreiben. Wie die Musik entstanden ist, wie die Proben gelaufen sind und wie ich mit Cat nach Kostümen gewühlt habe. Aber auch wie ich Liv und Cat, um 06:30 Uhr, im Herzen der Altstadt, auf offener Staße, geschminkt habe … und das im Halbdunkeln.

Mit dem Komponieren habe ich im Voraus begonnen. FraGue hat mir die einzelnen Szenen ziemlich genau beschrieben, und auf dem Parkettboden unseres Wohnzimmers die Bewegungen – sorry, MOOOVES – vorgeführt. So entstand in meinem Kopf schnell die Stimmung und die dazu passende Musik. Ich bin seinem Wunsch, diesmal ausschließlich klassische Instrumente zu verwenden, nachgegangen. Es ist aber genau deswegen schwieriger geworden als gedacht. Denn wenn man einen Walzer schon mit einem großen symphonischen Orchester gehört hat, oder besser, dabei selber mitgespielt hat, hört man einen gewaltigen Unterschied zwischen live Musikern und dem jämmerlichen Versuch des Computer Programms. Während der Postproduktion musste ich die fertige Musik immer wieder ändern, kürzen oder etwas dazu komponieren, Instrumente austauschen, Effekte einbauen. Eine flexible Musik zu schreiben, die sich in allen Richtungen biegen lässt, ohne ihre Ursprünglichkeit zu verlieren, will auch gelernt und geübt sein.

Das Tablet mit dem Film habe ich spontan auf den großen Monitor aufgehängt. So hatte ich alles gleichzeitig dabei! Photo Gerda

Ich stand auch vor der großen Aufgabe, innerhalb von einem Tag ein komplettes Flute Beatbox Solo zu schreiben, worauf man breaken kann. Ich saß fast den ganzen Tag rum und hatte einfach keine brauchbaren Ideen. In meiner Panik habe ich alles liegen gelassen und bin eine Runde laufen gegangen. Danach war das Lied in 5 Minuten komponiert. Aber auch dieser Song erlebte massenhafte Änderungen und etliche Aufnahmen. Ich war stets darauf bedacht Zeiten zu erwischen, in denen unser Nachbarkind nicht aus voller Kehle gebrüllt hat. Danach ging es ins Michelheim, wo wir geprobt haben. Wie so oft, gab es hier zum einspielen auch kein schalldichtes Übezimmer, nur das hallende und saukalte Klo.

Das erinnert mich an meine Studienzeiten in Ungarn, und in Salzburg, als in so einem Raum zu zweit geübt wurde… Photo Gerda

Ich war sehr bemüht Moritz die Sachen in den Noten zu erklären, musste aber – schon wieder – feststellen: obwohl wir von den gleichen Sachen reden, zwischen Musiker und Tänzer Logik liegen Welten. Gott sei Dank hat FraGue die Rolle des Übersetzters übernommen.

Links FraGue beim übersetzten, Moritz und ich Photo Dusana Baltic

Es hat sich schnell rauskristallisiert, dass wir den Film im viktorianischen Zeitalter drehen möchten. Für die Jungs hatte FraGue sehr viele tolle Klamotten, die er teilweise selber genäht oder gepimpt hat. Jul hatte bei 6°C nur ein „Unterlaiberl“ und eines dünnes Hemd an. Wie er es trotzdem mit super Laune, ohne sich auch nur einmal zu beschweren, die Dreharbeiten geschafft hat bleibt mir ein Rätsel.

Cat hatte die tolle Idee im Fundus vom Toihaus nach passenden Teilen zu suchen. Sie hat alles sofort organisiert und wir haben so ziemlich alle Kisten aufgemacht, vieles anprobiert und einige sehr schöne Sachen gefunden. Einen herzlichen Dank an das Toihaus Theater für den sehr netten Empfang und die Hilfbereitschaft uns zu unterstützen! Liv von der Potpourri Crew und Cat von Samurai Fam und Esmeraldas Crew hatten auch Einiges aus ihrem eigenen Kleiderschrank dabei, genau wie ich.

Hütchen und Schmuck vom Toihaus Theater Photo Gerda

Sehr gefreut habe ich mich auf die Aufgabe, die Mädels zu schminken und ihre Haare zu machen. Hier musste ich darauf achten, dass ihre Frisuren alle Strapazen aushalten und nicht schon nach ein paar Bewegungen komplett auseinander fallen. Wir entschieden uns gemeinsam für eine einfache Variante. Vor allem mit Cats sehr langen und rutschigen Haaren mussten wir mehrere Anläufe nehmen. Die Hütchen halten am besten, wenn man sie ganz eng am Kopf anbringt. Wenn man das Gefühl hat es steckt im Kopf drin, muss man sich keine Sorgen mehr machen 🙂 Die Gefahr, dass die Mädels in 6°C schwitzen und ihre Schminke sich verschmieren könnte bestand an diesen Tagen nicht. Dafür gab es andere Hürden zu bekämpfen. Damit die Schminke frisch bleibt, habe ich alles vor Ort gemacht.

Cat in der Maske! Photo Dusana Baltic

Mann! War das ein Chaos! Mein Schminkspiegel mitgeschleppt, viel zu groß und wackelig, Pinsel, Rouge, Lippenstifte, Eyeliner, Wimperntusche, alles auf dem Boden. Bald haben sich die Make Up Sachen von Liv und Cat mit meinen vermischt, und die Straßenbeleuchtung lies auch einiges zu Wünschen übrig. Obwohl ich sehr zufrieden war und das Make Up der beiden – und meines – super gehalten haben, musste ich feststellen, dass es für den Film hätte noch ruhig mehr sein können. Mich in diese Richtung fortzubilden und mich für Film Make Up zu spezialisieren ist ein cooles Zukunftsziel! Ich habe versucht meinen Casual Look so nah ans Viktorianische als nur möglich zu machen. Die größte Herausforderung war mit Abstand meine widerspenstigen glatten Haare lockig zu machen. Wenn man um 5 Uhr in der Früh das 6. mal versucht eine Strähne einzudrehen, und die einfach nur schlapp, von den 3kg Haarspray versteinert wie ein Zahnstocher herab hängt, na, dann steht man kurz vorm Nervenzusammenbruch. Einies ist sicher: Für meine nächste Rolle besorge ich mir eine Perücke…

Am letzten Drehtag auf dem Mozartsteg Photo Dusana Baltic

 In diesem Sinne Prost! im neuen Jahr!

Gerda Verfasst von:

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